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hyvää matkaa! - Gute Reise!

Vom 15. bis zum 21. Juni 2003 besuchte die DFG Thüringen mit einer Gruppe von 20 Personen Geras Partnerstadt Kuopio. Dort wurden wir hervorragend von Vertretern der Stadt und besonders von Mitgliedern der Finnisch-Deutschen Gesellschaft in Kuopio betreut. Unsere Erfahrungen und unsere vielfältigen Eindrücke während des wirklich schönen Informationsbesuches schildert hier stellvertretend Stefanie Diezel.

Dienstag 15.07.2003
Der Weg nach Kuopio: wir überfliegen ein Meer mit hundert tausenden Inseln. Die Wälder schlafen sich aus, das Wasser legt sich entspannt zwischen die Landflächen und spiegelt konturenscharf Himmel, Wolken, Sonne und den Schatten unseres Fliegers.  Dieser Anblick  fesselt die Augen, beruhigt sogleich zutiefst die Seele, macht unfähig zu denken. Wie mit einer Spicknadel auf der Landkarte markiert der Puijo Turm eine Landzunge: Kuopio.
Wir sind da - in Finnland. Perillä ollaan - suomi. Soweit weg von zu Hause und doch macht sich ein wohliges vertrautes Gefühl in unseren Magengegenden mit großer Intensität breit.
Wir - die zwanzigköpfige Abordnung der Deutsch-Finnischen Gesellschaft aus Gera besuchen unsere Partnerstadt in Finnland. Wir erwarten neugierig, irgendwie auch ein bißchen ehrfürchtig ob der Ehre die man uns erweist, das angekündigte Programm: Empfang im Rathaus, Besuch der Universität, Gespräch im Arbeits- und Gewerbezentrum, Vortrag über Öko - Kuopio, Besuch des wirklich stark beeindruckenden Teknia Zentrums, sowie auch die Schiffahrt auf dem Kallavesisee, der Besuch von Rauhalahti, dem orthodoxen Kloster Valamo und dem Saunaerlebnis am See.

Tervetuloa! Herzlich Willkommen!
Warme Luft streichelt um die Nase, an so gewissen Stellen klebt die Kleidung, das Gepäck erschwert das Warten auf ... alles was wir finnisch erleben.
Wir erhaschen jedes Bild, was uns der Blick aus dem Busfenster ermöglicht, des Busses der uns vom Flughafen zu unserer Unterkunft bringt.
Ich bin voller Erwartung, weiß ich doch schon aus der Vorabinternetrecherche, dass wir nur wenige Schritte vom Wasser entfernt wohnen werden. Netterweise haben unsere lieben finnischen Freunde in unserem Sinne gedacht und uns alle gemeinsam untergebracht. Wir erwarten kein 5 Sternehotel. Angekommen gehen wir in ein dunkelrotes flaches Backsteinsommerhostell. Neben unseren Zimmern bietet diese Unterkunft auch großräumige Duschzimmer, einen gemütlichen Aufenthaltsbereich einschl. Spielecke mit Getränkeversorgung und einen kleinen Laden in dem man bis in die Nacht hinein alles mögliche kaufen kann. Für unsere deutsche Mentalität ist wichtiger weise schnell gecheckt, dass die überaus freundliche Angestellte täglich alle Räumlichkeiten wischt und auch sonst erfreut uns Ordnung sowie auch Aushänge die uns ausdrücklich aber höflich darum bitten. Nun erlaubt uns das Programm freie
Zeiteinteilung und die meisten von uns treffen sich unverabredet nach dem Kofferauspacken und duschen vorm Haus zum quatschen, ausruhen, trinken und/oder beim Baden, wie noch so oft in dieser Woche. Keiner zieht sich wirklich zurück. Eine sehr angenehme Homogenität bestimmt unser Gruppenverhalten, trotz großer Unterschiede in Alter, Charakter, sozialer Stellung und Schönheit ;-)  Nebenbei bemerkt stellte ich fest, dass unsere Damen - und ich bemerke ausdrücklich : nicht die jüngeren! sehr attraktiv die Geraer Damenwelt vertreten!
Die erste weiße Nacht:  gewöhnungsbedürftig. Es wurde gerade mal etwas schummrig, richtig dunkel konnte man das nicht nennen. Ich persönlich, so als Nichtuhrträger, vertat mich mit meinem sonst sehr sicheren Zeitgefühl total, als ich gegen drei Uhr meinte es sei bestimmt schon sechs und zum joggen und schwimmen ging. Das ich niemanden traf draußen, vertiefte nur meinen Eindruck von einem sehr friedlichen Finnland. Merkwürdigerweise beschlich mich nicht im geringsten Angst - wie sonst zu Hause- alleine durch den Park zu laufen, im Wald mich auszuziehen, um das kühle Naß im See um mich herum uneingeschränkt in dieser Ruhe zu genießen.
Wie auch bei der minimalen Kriminalitätsrate? Unsere finnischen Freunde erklären uns diesen Umstand damit, dass die Mentalität der finnischen Menschen von Zurückhaltung geprägt ist. Man wahrt respektvoll einen angemessenen Abstand zu anderen Menschen, im persönlichen körperlichen Bereich, sowie auch in Bezug auf dessen Eigentum. Sicher nicht zu letzt auch daraus gewachsen, dass der geographische Abstand zwischen den Menschen besteht. Das dünn besiedelte Finnland bietet eines ganz bestimmt: viel Platz. Auch wenn es die Menschen aus überall auf der Welt bekannten Gründen zusehends mehr in die Städte zieht, so sind auch hier weiträumige Stadtarchitekturen zu finden, was wiederum ein Gefühl von Ruhe vermittelt.             


Der erste Morgen und der Empfang im Rathaus
hyvää päivää!  Guten Tag!

Mittwoch 16.07.2003
Neugierig, was wohl das Frühstücksangebot beinhalten wird, treffen wir uns alle fast zeitgleich im Frühstücksraum. Morgendliche Ausgeruhtheit, verschiedene Duschparfüms in der Nase und Buffettschnellcheck. Alle finden schnell einen Tischplatz den sie die ganze Woche beibehalten werden. In der vielen Erwartung frühstücken wir viel und gut. Mit vollem Bauch ist nun Umziehen angesagt - heute ist der Empfang im Rathaus, erfordert entsprechendes Understatement.
Vor dem Rathaus flattern zu unserer großen Freude die deutsche und finnische Flagge zuversichtlich im Einklang. Mitglieder des Stadtrates und der Finnisch - Deutschen Gesellschaft sind anwesend und begrüßen jeden von uns höflich einladend per Handschlag und on saksaksi - auf deutsch. Eine große herrschaftliche Treppe führt uns in die erste Etage in den Ratssaal. Es ist an diesem Morgen sehr heiß, ich muß mir mit einem Taschentuch die kleinen Schweißperlen vom Dekolte wischen, etwas was mir peinlich und noch nie passiert ist. Die Herren alle im Anzug, erhabene vielzählige Parketttritte, die dunkle Holztäfelung und der raumfüllende Ratstisch mehren für den Moment unseren Respekt. Die Erdbeeren samt Schlagsahne auf dem Tisch frohlocken jedoch.
Herr  Sörenström, ein ehrenamtliches Stadtratsmitglied und hauptberuflich Schauspieler, übernimmt die Worte des Willkommens und über die Stadt Kuopio. Er stellt sich vor und erklärt uns, dass er als Zugezogener nach mittlerweile 31 Jahren hier - nicht mehr weg möchte. So alt sieht er gar nicht aus. Seine Gesichtszüge lassen einen Schalk erkennen, die Augen blitzen lustig und das ständige Lächeln ist nicht bankettgefroren, sondern echt.
Er sagt etwas zu dem weiteren Verlauf des Tages und über die Personen die uns begleiten werden. Ihm geht es wie mir und wohl auch allen anderen: „es ist zu heiß“ bemerkt er belustigt und entschuldigt sich, die Jacke ausziehend, erlaubt den anderen scherzverpackt es ihm gleich zu tun und die Herren folgen seinem Beispiel. Er beginnt zu erzählen:
1775 wurde die Stadt gegründet. Die Lage ist verkehrsgünstig und die Ansiedlung wuchs  schnell, der Handel ebenso.
Kuopio ist eine wichtige Schulausbildungsstadt. Viele wichtige Menschen des Landes haben in Kuopio ihre Ausbildung genossen. Industriezweige sind Metall-, Holz-, Textil- und Lebensmittelindustrie, deren Entwicklung allerdings momentan nicht so sehr erfreulich ist. Industriearbeitsplätze werden weniger und eine schnelle Entscheidung die fehlenden Arbeitsplätze zu ersetzen ist gefragt und momentanes Problem. Die gute Basis ist die Universität mit Öko- und Medizinausbildung für einen Ausbau und Aufbau von Technologiezentren. Die entstandenen Arbeitsplätze und vorhandenen Unternehmen müssen wachsen und sich weiterentwickeln - hierzu mehr später - vor Ort.
Es gibt in Kuopio ein Sinfonieorchester, ein Stadttheater, ein Berufstheater und eine große Regionalbibliothek, sowie kleinere Bibliotheken, das Postmuseum, Kunstmuseum, Ausstellungszentrum, etc. Es wird jedes 2./ 3. Jahr eine große Opernproduktion hergestellt. Er selbst ist hierbei stark involviert mit Taten und Entscheidungen. Im europäischen Maßstab ist Kuopios Kultur sehr ansehnlich. Ich selbst vermißte einige Informationen zum Beispiel bezüglich des großen internationalen Tanzfestivals oder der sportlichen Bedeutung der Stadt, aber er betonte auch, dass wir genügend Prospekte und Informationsmaterial haben aus denen wir ohnehin alles mehrfach erfahren werden.
Kuopio ist die achtgrößte Stadt in Finnland und einer der aktuellen Beschlüsse lautet, dass größere Eingemeindungen stattfinden werden. Die Einwohnerzahlen wachsen ständig. Ende der 80-er Jahre ist ein neuer Stadtteil beschlossen worden für ca. 15.000 - 20.000 Einwohner, der ist mittlerweile fertig und überwiegend junge Menschen sind dort angesiedelt. Der neue Stadtteil befindet sich im Süden Kuopios. Um nicht über die Autobahn zu müssen, wird aus ökologischen Gründen eine neue Strasse übers Wasser gebaut. Herr Sörenström kürzt seinen Redefluß und wirft ein, er möchte keinen Vortrag halten, denn davon werden wir in den nächsten Tagen ohnehin themenbezogen noch einige hören. Er sagt noch einige nette Worte zu uns, zum Wetter und wünscht uns einen angenehmen Aufenthalt in Kuopio.
Nun übernimmt unser Vorsitzender Roberto Tamaske das Wort und bedankt sich für den wirklich netten Empfang. Er berichtet von unserer Deutsch - Finnischen Gesellschaft. Das sie seit 10 Jahren besteht und mittlerweile fast 70 Mitglieder zählt. Er selbst ist nun schon das zweite Mal in Kuopio, viele von uns das erste Mal. Das Ziel dieser Reise beschreibt er sei für jeden unterschiedlich, je nach Herkunft - auf alle Fälle wollen wir jede Menge Informationen mitnehmen. Unser erklärtes Ziel sei der kulturelle, sportliche und ganz wichtig der wirtschaftliche Austausch. Unsere Arbeit besteht momentan in einem lokalen Internetprojekt für soziale Zwecke mit Beginn im Juni und einer Dauer von 12 Monaten, wo genau dieser Austausch eine Plattform erhält. Dieser Austausch soll für weitere Bevölkerungsgruppen dokumentiert werden. Er regt an, in den kommenden Tagen vertieft darüber zu reden.
Herr Tamaske gibt das Wort weiter an Herrn Hischer der als Vorsitzender der DFG Thüringen das Schlußwort erhält. Herr Hischer weist unsere finnischen Gastgeber darauf hin, dass ein großer Unterschied unserer Gesellschaften darin besteht, dass wir keine finnischen Mitglieder haben und wir nicht die Tradition wahren sondern kennenlernen wollen - ein Beitrag zur Völkerverständigung sozusagen. Er hat ein Grußschreiben unseres Oberbürgermeisters an den Bürgermeister von Kuopio mitgebracht,  liest es vor und übergibt es. Herr Hischer erzählt auch von seiner Arbeit, den guten Kontakten zur Berufsfachschule in Savo, dass es auch mittlerweile weitere Beteiligungen anderer Partnerstädte gibt, also alles in allem ein weitreichendes Interesse und gute Beziehungen existieren.
Nun steht Herr Sörenström auf und lädt ein ins bunte Marktplatztreiben - sozusagen in das Wohnzimmer von Kuopio. Er witzelt noch ein bißchen und Abschiedsstimmung macht sich breit. Alle klatschen. Allgemeines Bedankengemurmel füllt den Raum und nun scharren die ersten Stühle. Da sind sie wieder die klebenden Sachen, wir kehren zurück ins private Bewegen. Nun gibt es Mittagessen in der Rathauskantine. Für alles ist gesorgt und es schmeckt auch noch sehr gut. Kiitos! Danke!


Der Besuch der Universität
Nachmittag 13.00 Uhr. Wir treffen uns am Bus um zur Universität zu fahren. Das Universitätsgelände ist enorm groß, die Gebäude nach finnischer Moderne - großräumig, viel Holz und Glas in der Verwendung und künstlerisch ausgestattet.  Wir finden uns in einem Besprechungsraum zu einem Gespräch mit dem Vizedirektor ein.
Bei der Hitze und so eng beieinander befürchten wir, es nicht lange auszuhalten. Seine Einleitung lautet vor allem - wir können vielen Prospekten viele Informationen entnehmen, es sind davon genug da. Er arbeitet in der Klinik in der Gynäkologie und Frauenheilkunde.  Seine kleinen schlauen Fuchsaugen schauen oft ins scheinbar Leere, wie so oft bei intelligenten Menschen, deren Gedanken Schleifen ziehen wenn das limbische System arbeitet. Seine Gesichtszüge sind ein wenig kantig - allerdings doch weicher als  der Maler es auf dem Portrait dargestellt hat. Alle wichtigen Personen dieser  Universität haben sich in Öl verewigen lassen und hängen als beindruckende Gemälde an den vier Wänden in diesem Besprechungsraum. Außer Dienstbeflissenheit kann ich keinen Charakterzug in seinem Gesicht wirklich sicher erkennen. Er erklärt, dass sein Deutschunterricht 40 Jahre her ist und es sicher kein Problem ist , wenn er in englisch erzählt, womit einige Leute in unserer Runde doch ein Problem haben - aber wer gibt in einer ach so intellektuellen Atmosphäre schon gern zu, dass die eigenen Fähigkeiten beschränkt sind.
Es gibt in Finnland zehn große und vier kleinere Universitäten.  Die Kuopio Universität ist 1966 gegründet und somit die Jüngste. Mittlerweile studieren hier über 5000 Studenten und dozieren 120 Professoren und 150 andere Lehrer. Jährlich sind etwa 80 Doktorabschlüsse, 100 Professorenabschlüsse und ca. 7 spezielle Medizinabschlüsse zu verzeichnen. Die Fakultäten sind Medizin, Pharmazie, Sozialwissenschaft, Ökologie und Umwelt, sowie Biowissenschaften und Informationstechnologie. Die Universität ist nicht die größte, aber der Medizinbereich über die Landesgrenzen hinaus anerkannt - sehr gut, die Anforderungen sehr hoch, das Niveau qualitativ ausgezeichnet. Ein Luftbildpanorama zeigt uns noch einmal das gesamte Gelände mit den verschiedenen Teilbereichen, aufgeteilt in mehrere Gebäude sowie das Klinikum Areal und die angelegten Grünflächen - so groß man kann auch Park dazu sagen - einschließlich See. Bei dem malerischen Anblick kommt er ins Schwärmen: Er fühlt sich hier sehr wohl, er war schon von Helsinki bis Tampere an verschiedenen Universitäten und kann nach seinen Erfahrungen nur bestes über die Kuopio Uni sagen. Man kann hier vom Grundsemester bis zur Spezialisierung alles durchlaufen, auch in der praktischen Ausübung. Jeder der hier studiert bekommt eine Wohnung - die Stadt und die Universität arbeiten eng miteinander.
Viele Annehmlichkeiten in der Ausstattung erleichtern den Studenten hier die Arbeit:
Fotolabor, Sprachtrainingszentrum, Computerkabinett, Büchereien etc. Viele Studenten kommen aus England, den baltischen Ländern, Amerika und nach und nach mehren sich auch die deutschen Studenten.
Es gibt auch ein ethisches Komitee für Fragen der biotechnischen Bereiche: Gentechnologie, Tierversuche etc. in dem alle Forschungsarbeit beraten und beschlossen wird.
Die Hitze und Enge in diesem Raum ist unerträglich. Die statistischen Ergüsse waren nur anfangs interessant, dann vertrockneten sie in der Wärme und werden deshalb hier nicht aufgeführt.
Nachdem uns im Besprechungsraum kaum das Knieübereinanderschlagen gelingen sollte, ohne dem Nachbarn nicht die Tasche, Prospekte oder anderes vom Schoß zu schieben, haben wir nun einen so erheblichen Bewegungsdrang, dass wir beschliessen den Weg nach Hause zu Fuß anzutreten, was mir persönlich in meinem eleganten Schuh natürlich Blasen einbringt.
17:00 Uhr:  wir sind am Hafen beim Ukko  - Schiff verabredet. Natürlich rennen einige  vom Hostell den Weg durch die Stadt zum Hafen - wie so oft in diesen Tagen, aber es kommt niemand zu spät.  Auf dem Schiff: eine angenehme Seebrise kühlt zur Abwechslung. Die See riecht frisch und fordert permanent aber unbeantwortet zum Schwimmen auf. Der Wind säuselt in Fahrtgeschwindigkeit um die Ohren. Friedliche Baumspitzen verdoppeln sich in der spiegelglatten See. Unzählige Landflächen die wir umfahren, laden ein, zum sonst so abwegigen Traum von der eigenen Insel. Hier gibt es genug davon und natürlich mit Sauna. Die See geht über in Horizont-Himmel-Blau ganz klar, wolkenlose Tiefe, malerisch strahlt die Sommerabendsonne - anscheinend heiter und einige Möwen kichern über uns.
Wieder im Hafen finden wir unverhoffter Dinge wirklich alle Platz in einem großen Restaurant auf der Terrasse.  Die Fischgerichte sind selbst für meinen sehr verwöhnten und manchmal nervend anspruchsvollen Gaumen sehr extravagant gut!
Wir unterhielten uns gut und quer Beet, ein weiterer Beitrag auch auf deutsch - deutscher Ebene näher zu kommen.


Der Informationsaustausch im TE Keskus - Arbeit und Finanzen

Donnerstag 17.07.2003
Das Gebäude in dem wir uns befinden ist ein Bürotrakt mit kleinen Gängen und die Räume ausgestattet mit freundlich hellen Holzmöbeln made in suomi. Der Herr  vom finnischen Arbeitsamt begrüßt uns. Er ist so ein bißchen der wohlüberlegte und sympathische Derrick Typ, auch wenn die Brillenstärke nicht vergleichbar ist. Er erzählt und Anne unsere finnische Freundin übersetzt.
Anne ist nicht sehr groß, hat kurzes blondes Haar, hellblaue Augen, freundliche Stupsnase und ihr Gesicht sieht aus als wenn es lächelt, auch wenn sie nicht lächelt. Sie macht den Eindruck einer überaus praktisch veranlagten, sehr selbstständigen Frau, die mit beiden Beinen fest im Leben steht. Gottseidank ist sie allzeit gesprächig, so erfahren wir viel über Land und Leute, auch ausserhalb der Vorträge. Sie spricht sehr gut deutsch, denn sie hat in ihrer Vergangenheit einige Zeit in Deutschland gelebt.
Die Problematik ist in Finnland ähnlich der deutschen oder der anderer europäischer Länder. Die Arbeitslosigkeit beträgt 9% in Finnland und 11% in Nordsavo. Die Unterstützung Arbeitssuchender, Arbeitsloser und Auszubildender ist ähnlich der Situation in Deutschland. Es gibt Arbeitslosengeld, es gibt Arbeitsämter, es gibt Weiterbildungen etc. Der Unterschied zwischen Finnland und Deutschland ist sehr gering. Das Problem sind  fehlenden Arbeitskräfte für Niedriglohnbereiche und der Spezialisierung. Besonders junge Menschen fehlen dem Arbeitsmarkt. Es laufen schon verschiedene Förderprogramme um dem Problem entgegenzuwirken.
Es gibt außerhalb der Städte sehr viele landwirtschaftliche Familienbetriebe. Das durchschnittliche Alter eines Bauern beträgt 46 Jahre. Familienbetriebe werden staatlich unterstützt. Aber in den meisten Fällen müssen die Bauern noch einer zweiten Tätigkeit nachgehen, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Die normale Größe solch eines Betriebes beträgt 30 Kühe pro Stall. Es gibt hier keine Massenhaltung! Jede Kuh hat ihren eigenen Namen und es gibt auch keine Tendenz zur Massenhaltung. Weil a) der Platz ausreichend da ist und b) sehr strenge Gesetze dies verbieten. 96% der Bauern sind an Umweltprogrammen beteiligt und engagieren sich bewußt. Wo sich Bauern auch gemeinsam vereinen sind Jagdgemeinschaften für Bären und Elchjagden. Letzteres Hobby erhält bei wirtschaftlicher (touristischer) Ausrichtung staatliche Unterstützung. Bären jagen dagegen ist offiziell nicht erlaubt.
Der Umweltgedanke in der Landwirtschaft ist ein wichtiger. Zwischen landwirtschaftlicher Nutzfläche und den Seen wird Brachland gelassen, um die Verschmutzung des Wassers in Grenzen zu halten. Es gibt in Nordsavo ein EU Projekt welches dieses :
„Brachland anlegen“ finanziell unterstützt. Auch die Luftverschmutzung wird kontrolliert.
Allerdings gibt es ja nicht allzuviel Industrie, von daher hält sich der Aufwand in Grenzen.
Im Bereich der Fischerei werden Fischzucht und Fischhafen auch finanziell unterstützt.
Der Anteil der Fischerei im Landesdurchschnitt  beträgt sehr wenig, kann aber regional eine sehr große Bedeutung haben. Aber es gilt: Jeder Finne fischt seinen eigenen Fisch.
Wir verabschieden uns von unserem Vortragenden höflich und verlassen den Raum.
Irgend etwas uns noch Unbekanntes soll folgen. Wir gehen in ein anderes Gebäude und werden durch die Gänge geführt. Auch ein Bürotrakt, soviel wie wir verstehen, auch ein öffentlicher. In einem luftig freundlichen Konferenzraum mit sonnigorangenen kleinen Gutelaunevorhängen an den Fenstern wird uns Platz angeboten. Auf der überausgroßen Tischfläche stehen verschiedene Getränke zur Auswahl. Nette Damen gesellen sich zu uns und eine von ihnen erzählt uns von ihrer Arbeit.
Ich verstehe diese Einrichtung als eine Art Bürgerbüro. Es ist eine auch für Kuopio neue Einrichtung, die es erst seit Mai 2003 gibt. 25 gibt es in der Region Kuopio und es wird die
Arbeit verschiedener Ämter unter einem Dach zusammengeführt zur Erleichterung der Bürger. Kela - so etwas wie unsere Sozialversicherung, Gesundheitsamt, Arbeitsamt und Sozialamt. Es arbeiten drei Sozialarbeiter, ein Sekretär, fünf Mitarbeiter vom Arbeitsamt und eine Krankenschwester hier. Das „Bürgerbüro“ ist für alle da. Im besonderen jedoch für Langzeitarbeitslose, soziale Problemfälle wie Drogenabhängige oder Alkoholkranke, Hausfrauen die den Wiedereinstieg ins Berufsleben starten und für junge Leute. Die Kapazität der Betreuung pro Jahr beläuft sich auf ca. 400 Bürger, benötigt würde eine Kapazität von 3000. Das Problem war eine eine Menge Bürokratie. Wohl noch schlimmer als in Deutschland. Wenn jemand ein Problem hat, kommt er hierher und es wird als erstes ein Sozialarbeiter eine Bedarfsermittlung durchführen und auch eine finanzielle Situationsanalyse wenn nötig. Anschließend untersucht die Krankenschwester den Bürger. Denn es gibt verschiedenste unerkannte Krankenheiten, welche Antriebs-schwäche, Depressionen oder anderes seelisches oder körperliches Leid mit sich bringen. Nach dieser Untersuchung wird alles mögliche getan um dem Bürger zu helfen und innerhalb von wenigen Monaten Arbeit zu verschaffen.
Dieses Modell ist auf ein Jahr befristet. Der Erfolg jedoch verlangt Verlängerung. Alle Erfahrungen werden im Jahr 2006 ausgewertet. Es gibt dieses Modell auch in anderen europäischen Ländern, allerdings noch kein Netzwerk zum Erfahrungsaustausch.
Die Damen erkundigen sich auch nach unseren Berufen. Roberto Tamaske übernimmt das Wort und sagte einige Dinge dazu. Wir unterhalten uns alle über den großen Tisch noch ein wenig, allerdings drängt schon wieder die Zeit. Unsere Gastgeber haben einen Termin und wir auch - unser Mittagessen.

Es ist wieder sehr heiß. Da die Sonne nicht untergeht hat das Land auch kaum eine Chance abzukühlen. Die Seen locken uns ohnehin schon unaufhörlich, heute endlich baden wir ausgiebig und schwimmen lange, manche von uns von Ufer zu Ufer.  
Es folgt das Abendessen mit der Finnisch - Deutschen Gesellschaft in einer deutschen Bierstube. Leider haben viele unserer finnischen Freunde gerade eine Urlaubsreise angetreten, denn es ist Ferienzeit. Aber einigen begegnen wir trotzdem. Mit der Opaskartta  Stadtplan in jedermanns Hand suchen wir den Weg zu dieser Bierstube.
Sie mutet an wie eine typisch deutsche Kneipe. Nachdem nicht alle etwas zu essen bekommen können, entscheiden wir uns noch wo anders hinzugehen. Die Gruppe trennt sich, die einen gehen in ein gutes Fischrestaurant und wir in eine open air Musik-
kneipe. Ulla war bei uns. Ulla ist auch eine Finnin, die einige Zeit in Deutschland gelebt hat. Ich freue mich, dass sie sich zu uns gesellt.  Auf den ersten Blick scheint sie der zurückhaltende Mensch zu sein. Ihre undurchdringlichen Augen wecken mein Interesse. Sie ist da und allein das suggeriert Gesprächsbereitschaft. Ich verkneife mir meine Fragen nicht und ich habe genug davon. Wir unterhalten uns,  soweit wir uns bei der lauten Countrymusik verstehen, über dieses und jenes und knüpften zarte Freund-schaftsbändchen (Kettchen).  Ein interessanter Abend!


ÖkoProjekt Kuopio

Freitag 18.07.2003
Heute morgen treffen sich alle nach dem Frühstück, um mit dem öffentlichen Bus zum Vortrag über Öko Kuopio zu fahren. Die Bushaltestelle ist im Keskus, im Zentrum  Die Stadt Kuopio hat keine so richtige Altbausubstanz wie wir sie kennen. Sie ist jung. Es wird nicht sehr hoch gebaut und jede katu Strasse ist breit. Überall bleiben uns, meist unverständlich und nur kurz, Schriftzüge im Gedächtnis mit vielen ä‘s, uo‘s und i‘s,  Wörter mit doppelten Vokalen und Konsonanten wie zum Beispiel: teatteri, eurooppa, appelsiini, banaani, kultuuri, und ein daraus folgender, Sprachregeln bezogener Singsangeffekt.  Ich höre es gern und der Wunsch es zu verstehen ist vordergründig und immer da. Aber zum Lernen kommt man nicht - alle sprechen englisch und deutsch. Auch hier ist Europa.
Öko Kuopio ist eine Art Beschäftigungsgesellschaft. Hier werden alte Dinge wieder aufgearbeitet zu dem Zweck der Wiederverwendung und sinnvollen Arbeitsplatzbeschaffung. Das Projekt wurde von Arbeitslosen gegründet und zum Verein gemacht. Es ist das erste Projekt dieser Art in Kuopio. Finanziert wird es von der Stadt und hälftig durch den Verkauf eigener Produkte. Mittlerweile gibt es hier 120 Beschäftigte und eine eigene Zeitung. Das eigentliche Problem ist Arbeitskräfte zu finden, die wenig Anspruch mitbringen. Mit Unterstützung vom Arbeitsamt kann man  für 12 Monate eingestellt werden. Unter anderem ist dieses Projekt offen für die Resozialisierung Straffälliger. Dieses Zentrum soll weiterhin als Begegnungsstätte dienen, die Langzeitarbeitslose Gesellschaft bringt. Zum Beispiel gibt es von hier aus auch Hilfe bei Behördengängen mit Arbeitslosen.

Beschäftigungszweige sind: Bau (Baumaterial), Elektronik (TV, PC‘s), Beratung zu diesen Bereichen und ein kostenloses Internetcafe, Sammlung von Müll und Recyclingmaterial, Textilien, Möbel, Beratung von Müllvermeidung und der Metallbereich (Krankenhausbetten für Russland). Eine Zusammenarbeit mit anderen Projekten besteht bereits (z.Bsp. Trier, Koblenz, Kuopio, Genua) und wird ausgebaut.

Wir haben innerhalb dieses Projektes auch sechs Schafe - inklusive einem Schwarzen - gesehen. Was kaum jemand wohl glaubt: es gibt in Finnland sonst keine Schafe! Es ist ein Experiment inwieweit sich das Halten von Schafen nützlich zeigt.
Nun gut, wir wünschen diesem Projekt eine gute wirtschaftliche Basis und weiterhin viel Glück - Hyvää jatkoa!


Besuch in der Mikroteknia im TE Keskus - Technologie Zentrum

So stellt man sich einen Firmenpark vor im Jahr 2030. Natürlich großräumig, mit ansehnlichen Grünflächen und einer wirklich stark beeindruckenden Businessarchitektur. Hier existieren 160 Firmen und arbeiten insgesamt 11.000 Personen, nach der Erweiterung sind es ca. 15.000 Personen. Alles ist auf Kommunikation ausgerichtet.
Alle Gebäude sind zu diesem Zweck miteinander verbunden und die Kantinen klein gehalten, damit sich Gespräche untereinander nicht in der Weite der Räumlichkeit verlieren.
Die Mikroteknia ist nur eines von mehreren Kompetenzzentren und hier dreht sich vorrangig alles um das Gesundheitswesen. Es wird geforscht, entwickelt und produziert. Der wichtigste Grundgedanke ist der Austausch von Kernkompetenzen und die enge Zusammenarbeit mit der Universität. Dies erklärt auch die räumliche Nähe dorthin. Alle Ziele sind ausgerichtet auf Technologie- und Forschungsvorsprung, zukunftsorientierte, dauerhaft beständige Marktetablierung und Expansion in alle Welt.
Es bestehen bereits Verbindungen nach China, Amerika, Großbritannien, Schweiz, Deutschland etc. Das Management der Mikroteknia unterstützt die Firmen beim Marketing und Partnersuche weltweit.
Ins Leben gerufen wurde dieses Projekt von der Stadt Kuopio und ist einige 100%ige Tochter. Das Areal umfaßt die Uniklinik, das Universitätsgebäude, die Forschungs-gebäude und es ist auch ein vierzehnstöckiger Neubau geplant. Es ist achtzigtausend Quadratmeter groß. Für die Finanzierung gab es Kredite von der Stadt, der EU und vom Land. Die ansässigen Firmen zahlen Mieten zwischen 12 und 15 Euro/qm. Aus diesen Einnahmen entrichtet Mikroteknia Kredite, Neugründungen und die laufenden Nutzungskosten. Investitionen werden von der Stadt mit 50% bezuschußt. Die Forschungsergebnisse sind für die niedergelassenen Firmen zugänglich und schnell abrufbar. Die Firmen vergeben auch Forschungsaufträge. Das Zentrum ist 100% ausgelastet.
Wir werden durch das Gebäude geführt und bewegen uns in lichtdurchfluteten Raumkonzepten. Unsere Assoziation zu Finnlands Moderne, wird hier in unbeschreiblich imposanter Wirkung übertroffen. Fotoblitze treffen auf Lichteinfälle von allen Seiten. Jeder der eine Kamera dabei hat, versucht dieses helle Erleben in Bildern festzuhalten. Auch die heißen Temperaturen bleiben außen vor. Wohlproportionierte Klimatisierung gehört natürlich zu einer so perfekten Bauweise dazu. Wir machen die letzten Fotos draussen, schon auf dem Weg zur Bushaltestelle.
 
An diesem Abend ging unsere Gemeinschaft in kleineren Gruppen einer Abendbe-schäftigung nach. Wir zum Beispiel suchten uns im Stadtzentrum ein Restaurant in dem wir zu Abend essen wollten. Übrigens auch die Musik in den Restaurants oder Radio- und Fernsehsendern ist die, die wir auch zu Hause hören - leider. Wir saßen schon auf der einen und anderen Terrasse, wurden aber nicht bedient. Es kam niemand um die Bestellung aufzunehmen. Verwirrt sitzen wir also da und wissen nicht wirklich weiter. Heißt das Selbstbedienung? Gang zum Tresen und anstehen?  Ich persönlich bin blond. Und blauäugig. So fühle ich mich bei all den vielen blonden helläugigen Menschen unter meinesgleichen. Nichts kann mich an diesem Abend verärgern. Wir suchen uns mit Erfolg ein Hotelrestaurant, um unseren verwöhnten Serviceanspruch gerecht zu werden.  
Nun ist Wochenende und die Kuopier haben alle frei, außer unsere finnischen Freunde, die uns auch an diesen Tagen ein schönes Programm liefern, so auch am Samstag:


Das Kloster Valamo   - Valamon veljestö

Samstag 19.07.2003
Wir machen es uns bequem in dem Luxusbus und richten uns ein auf eine ca. eineinhalbstündige Fahrt zu einem geschichtsträchtigen Kloster. Nachdem wir Kuopio verlassen haben, lernen wir die Weiten der Wälder und sehr vereinzelten Dörfer, vier oder fünf Häuser manchmal nur, kennen.  Auch nach 30km Weiterfahrt steht noch immer auf dem Ortsbeschreibungsschild „Gemeinde Kuopio“. Wir sehen eigentlich nicht viel außer Wald. Wohl jeder von uns erwartet altehrwürdige Klostermauern. Angekommen erstrahlt ein für unsere Erwartung zu kleiner weißer Kuppelbau in östlicher Bauart mit byzantinischem Formgefühl. Der hübsche Park mit den sauber angelegten Wegen liegt uns die kommenden Stunden zu Füssen. Wir wandeln von einem Gebäude zum nächsten, hier die kleine Andenkenverkaufsstelle, dort das Museum, und auch die Kirche, sowie das sortierte Anwesen der Mönchsbehausungen – zu dem wir strikt Betretverbot haben und das keinesfalls asketisch anmutet. Die eigentliche Geschichte dieses Areals noch nicht ganz verinnerlicht, fällt das hineindenken und hineinfühlen noch schwer, zumal die Geschichte hier an diesem Ort nicht sehr alt ist. Eine junge finnisch - orthodoxe Kirchengemeinde also.
Auszug aus einem öffentlichen Artikel:
Das neue orthodoxe Kloster Valamo in Heinävesi setzt die Tradition des Klosters Valamo am Ladogasee fort. Die Gemeinde Heinävesi ist seit Ende des zweiten Weltkrieges zum Zentrum des orthodoxen Klosterlebens in Finnland geworden.
Das alte Kloster Valamo im Ladogasee wurde im Jahre 1329 von dem griechischen Mönch Sergej gegründet.
Nachdem Finnland die Gebiete Ost- und Südkarelien an Russland abtreten mußte, wurden die aus dem alten Kloster Valamo von der Insel im Ladogasee geflüchteten Mönche in Heinävesi ansässig.
Das Ladogakloster wurde im Jahre 1940 nach Heinävesi verlegt, genauer gesagt in das 4km von Heinävesi entfernte Dorf Papinniemi am Juojärvi.
Im Jahre 1944 schlossen sich der neuen Klostergemeinschaft dann auch die Mönche des Eismeerklosters Petsamo an und 1956 die letzten noch lebenden Mönche des ehemaligen Klosters Konevitsa.
In der Klosterkirche Valamos "Verklärung Christis", ein Backsteinbau im byzantinisch-russischen Stil von 1977 findet man wertvolle Ikonen aus dem alten Valamo, 1983 wurde ausserdem eine Bibliothek im Kulturzentrum mit mehr als 30.000 Bänden eingerichtet.      Auszugende
Wir durchlaufen das Klostergelände und lassen uns berühren von der Fremde in Religion, Tradition und Kultur. Viel Zeit haben wir nicht mehr - dann geht es im Bus zurück. Vorher genießen wir noch ein typisch finnisches Buffet - Mittagessen in der großen dunklen Kantine für Gäste und Mönche.
Auf der Rückfahrt kommen wir an der größten finnischen Schleuse mit fünf Wasserstufen vorbei. Lange stehen wir fasziniert am Hang und beobachten das gewaltige Umfüllen der Wassermassen von einer Stufe zur nächsten. Selbst jemand wenig Technikbegeisterten wie mich hat dieses einfach praktische Bauwerk beeindruckt.

Rauhalahti

Schön, dass wir so eine Schiffahrt noch einmal machen konnten, diesmal mit dem Zweck uns nach Rauhalahti und später zurück zu bringen. Diesen Ausblick kann man nicht oft genug genießen. Schon vom See aus sahen wir die Sauna und die badenden Gäste - ein Anblick der verführt - aber Sauna ist erst für morgen angesagt.  Das Schiff legt an und wir springen von Bord und legen einen kleinen Fußweg zurück. Rauhalahti ist ein waldschattiges Plätzchen, dass uns in diesen heißen Tagen willkommen erfrischt. Obgleich Rauhalahti die größte finnische Rauchsauna ist, haben wir zum saunieren heute keine Zeit. Es ist ein gemeinschaftliches Essen vom Buffet geplant, begleitet von finnischer Volksmusik und am See einer kleinen Vorführung eines echten Finnen, der auf Baumstämmen seine Kunststückchen macht.
Das Essen ist richtig gut. So satt und zufrieden applaudieren wir dann um so enthusiastischer dem Akkordeonspieler zu den finnischen Melodien und seinem selbstgeschriebenen Lied über Freunde aus Gera. Danach folgen in Deutschmanie Volkslieder und wie es sich gehört, singen alle die den Text einigermaßen kennen mit. Auch getanzt wird zu unser aller Überraschung und trägt nicht minder zum Spaß bei.  Eine Momentaufnahme - und man hätte meinen können, der große ausgestopfte Bär in der Ecke ist da, um mitzutanzen.
Ein Blick zur Uhr zwingt uns von der alten finnischen Bank hoch zur Aufführung am See.  Der Baumstammlauffinne hat vielleicht ähnlich wie wir schon ein Gläsel Wein getrunken und vielleicht auch etwas zu viel gegessen - seine Balance jedenfalls ist nicht die die er jetzt braucht. Obgleich uns dieses Schauspiel zu beeindrucken beginnt, nimmt auch das Peinlichkeitsgefühl zu. Er tut mir wirklich sehr leid und ich stelle fest den anderen auch. Gewünscht hätten wir ihm, dass seine Vorführung gelingt. Ständig rutscht er wieder und wieder ins Wasser ... Wahrscheinlich kommt ihm wie uns die Dauer der Vorstellung mit jedem Fall ins Wasser länger vor.
Aber auch diese Zeit ist begrenzt, das Schiff wartet und wir werden zurück geschippert, vorbei an all den schönen Eindrücken wie vor beschrieben, nur heute ist die See bewegter.


Sauna und Grillnachmittag - unser letztes gemeinsames Erlebnis

Sonntag 20.07.2003
Am Sonntag ist ausschlafen angesagt. Es steht erst für Mittag der Termin mit dem Bus nach Päiväranta. Wir steigen aus dem Linienbus aus und werden hier von einem finnischen Freund, unserem heutigen Gastgeber, abgeholt. Reijo wohnt hier und die Sauna, welche wir besuchen werden gehört der Stadt und ist von der Einwohnergemeinschaft angemietet. Reijo ist der gemütliche Opatyp, mit hellem ordentlich aneinandergereihtem Stoppelbart und aufgeschlossenem Blick. Er führt uns durch ein idyllisches Wohngebiet den Hang zum See entlang. Die Häuser sind nur zweistöckig, vor jedem ein Gärtchen und von jedem nur eine Minute Fußweg bis zum Ufer. Hier kann man gemütlich alt werden. Am Ufer steht die Sauna mit kleiner Terasse und Steg ins Wasser. Zehn Meter höher am Hang ein kleines Holzhüttchen - das Klo - mit einem Sack Sägespäne zum „spülen“. Eine sehr interessante, saubere und gutholzriechende Abortvariante. Das Saunahüttchen hat neben dem Saunabereich auch einen Aufenthaltsraum indem sich einige
umziehen - achtet man doch in Finnland streng auf die Sitte. Auch getrenntes Saunieren ist Pflicht und getrenntes Schwimmen, wenn nackt!
Es gibt neben dem Seele baumeln lassen auch leckeres für den Magen:
Kallakukko - das finnische Nationalgericht, mit kleinen Fischen im Brotleib gebacken, von Roberto Tamaske gekonnt und schnell vorbereitet - zu unserer Verblüffung. Die Sauna selbst sieht ziemlich altbacken aus. Ich liebe alte Dinge! Es ist eben ein typisch einfaches finnischsaunieren. Wir sitzen wie die Hühner auf der Stange, teilweise sechs Mann /Frauen und nach der Hitze der Sprung in den See und das Schwimmen - das ist natürlich ein gänzlich anderes Erlebnis als zu Haus. Wer hat schon einen See vor der eigenen Sauna und diese Kulisse.... In Finnland gibt es ca. 1,3 Millionen Saunen und das bei ca. 5 Millionen Einwohnern!
Es war einfach ein suuperschönes Saunaerlebnis. Auch und gerade weil die Vorstellung im Winter dies zu erleben, unseren Wunsch nach Wiederkommen auf jeden Fall verstärkt.
An diesem letzten Abend lerne ich in unserer Unterkunft ein deutsches Elternpaar kennen, die ihre Tochter in Finnland besuchten. Das 17-jährige Mädchen besucht Finnland das siebente Mal. Sie ist ein beeindruckendes ruhiges junges Fräulein. Irgendwann einmal fing sie an sich mit Skischanzen zu beschäftigen. Ihre Eltern ließen sie dann mit einer Freundin nach Finnland reisen um alle Schanzen zu besuchen. Das hätte ich aus Angst um meine Tochter sicher nicht gemacht. Auf dieser Reise hat sie sich in Finnland verliebt und kam immer wieder. Nun nach einem Gastschuljahr in Lappeenranta, wo sie sehr gut betreut worden ist und auch zweite (Gast) Eltern für ihr Leben gefunden hat, verfolgt sie das Ziel in Kuopio, ihrer Lieblingsstadt, Medizin zu studieren. Obwohl Neid ein mir fremdes Thema ist, muß ich zugeben, beeindruckt mich diese Geschichte um das Mädchen und ihre chancenreiche Zukunft in Kuopio sehr. Ich kann ihre Liebe zu diesem Land nachvollziehen.

Suomi - näkemiin!
Finnland auf Wiedersehen!


Wir danken allen finnischen Damen und Herren, die an dem Wohl und Gelingen unseres Aufenthaltes beteiligt waren. Insbesondere danken wir Anne, Reijo  und seiner Frau, Ulla und Burchard für ihre Mühe. Paljon kiitoksia! Vielen Dank!

„Vielen vielen Dank für alles!“ Händeschütteln „Es war sehr nett! Hoffentlich sehen wir uns bald wieder! Schön, dass wir uns kennengelernt haben! Vielen Dank! Schönen Tag noch!“ Schulterklopfen „Viel Glück! Alles Gute für Sie!“ Nochmal Hände schütteln und festhalten „Vielen Dank! Schöne Grüsse an Ihre Familie!“ Loslassend und noch eine Weile winkend*

* Anmerkung der Autorin:
Leser die unsere Gruppe nicht kennen müssen wissen, dass ein sehr nettes Mitglied unserer Deutsch Finnischen Gesellschaft in deutscher Gewissenhaftigkeit, sich ordentlich bedankend bei allen persönlich verabschiedete. Jedesmal ein sympathischer Abschluß mit Schmunzeleffekt.

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